Rollenvorbilder

Die Zwangsfeminisierung erfolgt im BDSM grundsätzlich zwischen zwei einvernehmlichen Partnern (SSC). Im Vordergrund stehen hierbei einerseits das beiderseitige lustvolle Erleben der Unterwerfung, andererseits können auch sexuell konnotierte Erniedrigung und Demütigung eine gewichtige Rolle spielen, insbesondere unter Einbeziehung der Öffentlichkeit. Der Prozess der Zwangsfeminisierung beinhaltet neben dem Tragen von Kleidung und Make-up, welche der dominante Partner vorschreibt und auswählt, auch das Anordnen geschlechtsspezifischer Verhaltensweisen. Dabei werden oft klischeehafte und übertriebene Frauenbilder als Vorbild genommen, beispielsweise soll durch das Auftreten in der Öffentlichkeit in extrem kurzen Röcken, hohen Schuhen und dem stark überschminktem Gesicht eine Prostituierte nachgeahmt werden und die Erniedrigung des Feminisierten dadurch verstärkt werden. Im englischen Sprachraum wird der Ausdruck „Forced Feminization“ verwendet, der sich allerdings auch auf die reale erzwungene Feminisierung beziehen kann, beispielsweise die Vergewaltigung von Männern in Gefängnissen. Diese realen Situationen werden als homosexuelle Fantasien auch im Rahmen der Zwangsfeminisierung in der einschlägigen Literatur beschrieben, während sie für heterosexuelle Männer selten Bestandteil der Feminisierungsfantasien sind. Weitere Synonyme sind Effeminization oder Demale.

Mitunter wünscht sich der devote Teil sogar eine weiterführende, teilweise sogar gewaltsame Abrichtung auf die Wunschrolle der Frau. Während in manchen Kreisen und Internetforen sogar der Wunsch nach einer freiwilligen Verschleppung ins Ausland, sowie einer medizinischer Geschlechtsumwandlung geäußert wird, sind keine konkreten Fälle belegt. Kastrationsfantasien treten in diesem Zusammenhang ebenfalls in der erotischen BDSM-Literatur auf.

Neben dem Bild der eleganten und damenhaften Erscheinung und der eher nuttig wirkenden Schlampe ist die Zofe ein sehr beliebtes Rollenbild. Vorbild kann hierbei das viktorianische Zeitalter mit seinen ausgeprägten hierarchischen Strukturen sein. Das Element des Status und des damit verbundenen Machtgefüges (vgl. D/s) verbindet sich hier mit dem Genderplay. Dabei wird der Mann freiwillig oder im Rahmen der Zwangsfeminisierung dazu konditioniert, Aufgaben im Haushalt zu übernehmen. Vor allem in der englischsprachigen Szene wird dies oft als Sissification bezeichnet, während dieser Begriff in anderen Sprachräumen auch allgemein für Feminisierung verwendet wird.

Von Sissy boys (engl. Sissy = Mädchen, Weichling) spricht man im BDSM (im Gegensatz zur homosexuellen Verwendung des Wortes), wenn der Mann sehr kindlich-Mädchenhafte Kleidung, zum Beispiel Rüschenhöschen, Häubchen und Petticoats, trägt und darin auch präsentiert wird. Wichtiges Element neben dem Wechsel des Geschlechts ist hierbei die Annahme der Rolle eines sehr jungen Alters (engl. Ageplay). Kleidungsvorbilder finden sich hierbei oft in der Südstaatenromantik (beispielsweise der historischen Kinderkleidung oder Krinolinen). Geschieht dies gegen den Willen oder in Zusammenhang mit Bestrafungen, spricht man auch von Petticoating oder Pinaforing. Eine Überschneidung mit dem Rollenverhalten des Adult Baby kann vorkommen, ist aber nicht zwangsläufig.

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